Fünf auf einen Streich

„Tschechien bleibt ein wichtiger Teil der internationalen Kfz-Wertschöpfungskette“, urteilte Germany Trade and Invest, die Außenhandelsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, im Jahr 2009 in einem Brachenportrait des Landes. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert, auch wenn die internationale Wirtschaftskrise mittlerweile in Mittel- und Osteuropa angekommen ist. Immerhin konnte sich der tschechische Automobilmarkt überdurchschnittlich gut behaupten: Die Zahl der Neuwagen nahm 2008 noch um 4,7 Prozent noch zu, im letzten Jahr stagnierte er im Vergleich zum Vorjahr, so der Verband der tschechischen Automobilindustrie. Allerdings ist der Kraftfahrzeugbau im Land stark abhängig von ausländischen Unternehmen, die auf die internationale Krise mit Produktionskürzungen reagiert haben. Damit gehen auch die Lieferungen der tschechischen Komponenten- und Teilehersteller an die Automobilunternehmen zurück. Als Produzent von Riemenscheiben kennt das Unternehmen E.C.J. die schwierige Situation genau – und  hat bereits erfolgreich reagiert: Mit dem Einsatz der Pentatec-Wendeschneidplatte von LMT-Allianzpartner Boehlerit sanken die Produktionskosten pro Bauteil um 55 Cent. Bei einer für  E.C.J. typischen Produktionsserie von 80.000 Stück ist dieser Effekt enorm. Möglich wird dies durch die besondere Geometrie des Werkzeugs.

Angesichts der aktuellen Lage in den USA ist die Bezeichnung „Detroit des Ostens“ für Tschechien sicher nicht mehr passend. Sie verdeutlicht aber immer noch die Rolle und Bedeutung des Landes. Gemessen an der Einwohnerzahl werden nur in Japan mehr Autos hergestellt. Für die europäische Automobilindustrie ist die geographische Lage Tschechiens wichtig -  auf der einen Seite seine Nähe zu Westeuropa, auf der anderen Seite seine „Brückenfunktion“ zu den Märkten in Osteuropa und Russland. Eine ganze Reihe der wichtigen OEM verfügt über große Standorte im Land. Das bedeutet aber auch, dass die KFZ- und Zulieferindustrie im Land immer „mit der Zeit“ gehen und ihre Produktionsausstattung hohen Ansprüchen genügen muss. Bislang ist das gelungen, wie die Einschätzung von Germany Trade and Invest zeigt: „Die Branche ist durch ihre moderne Ausstattung und breite Angebotspalette flexibel und wettbewerbsfähig.“

Ein Werkzeug ersetzt fünf andere

Auch E.C.J. passt in dieses Bild. Das Unternehmen mit Sitz im tschechischen Zlin, 75 Kilometer östlich von Brünn gelegen, produziert rund 100 verschiedenen Typen von Riemenscheiben. Faktoren wie Stückkosten und Prozesssicherheit sind bei den Spezialisten für Riemenantriebe (auch und gerade im Auto) selbstverständlich an der Tagesordnung und bleiben im Blickpunkt der Produktionsplaner. Ingenieur Petr Redl von E.C.J. erläutert: „Wir haben in den letzten Jahren unterschiedliche Werkzeuge in unseren Bearbeitungszentren eingesetzt, um abhängig von der Anwendung die Anlageneffizienz verbessern zu können. Natürlich müssen uns die Werkzeughersteller zuvor aber überzeugende Argumente für ein neues Tool liefern.“ LMT-Allianzpartner Boehlerit gelang genau dies 2008, als Ingenieur Otto Slezak von Boehlerit eine neue Werkzeugsorte vor Ort präsentierte: das Multifunktionswerkzeug Pentatec. „Pentatec ermöglicht durch ihre spezielle Geometrie fünf Bearbeitungsoperationen mit nur einem Werkzeug – Plandrehen, Längsdrehen, Bohren ins Volle, Innenlängsdrehen und Senken. Ein Werkzeug ersetzt fünf andere. Das eröffnet natürlich enorme Möglichkeiten und Vorteile für die Anwender“ beschreibt Slezak die Leistungsfähigkeit des  Produkts.

Das Pentatec-Multifunktionswerkzeug
Das Pentatec-Multifunktionswerkzeug

44.000 Euro Einsparung pro Serie

Ganz offensichtlich ist, dass durch das Multifunktionswerkzeug massiv Zeit eingespart wird, denn zum einen verringern sich die Werkzeugwechselzeiten, zum anderen gibt es weniger Werkzeugleerfahrten. „Die Bearbeitungszeiten reduzieren sich im Idealfall um bis zu 30 Prozent“, bestätigt Slezak. Und dann ist da ein zweiter, vielleicht entscheidender Vorteil:  Wer dank Pentatec auf vier Werkzeuge verzichten kann, spart massiv bei den Werkzeugkosten. Bei einer Produktionsserie spart das Unternehmen durch die neue Wendeschneidplatte 44.000 Euro.

Maschinenbedienung wird einfacher

Als Zusatzeffekt verbessert sich durch die wesentlich geringere Zahl von Einstellvorgängen die Qualität der Produkte. Zudem ist der gesamte Produktionsprozess vereinfacht. Tritt bei der Bearbeitung ein Fehler auf, muss nur die Einstellung eines Werkzeuges (statt wie bisher fünf) korrigiert werden. „Das bedeutet letztlich nicht nur reduzierte Nebenzeiten, auch die Prozesssicherheit bei der Maschinenbedienung ist höher. Es sind einfach deutlich weniger Einstellfehler möglich“, erklärt Petr Redl von E.C.J..

Für Redl wird am Einsatz von Pentatec exemplarisch deutlich, welchen Beitrag Werkzeuge zur Effektivität der Produktion beitragen können. „Wir drehen derzeit an allen Stellschrauben, um unsere Kosten zu senken. Werkzeuge sind dabei ein wesentlicher Baustein, um der aktuell schwierigen Situation der Automobilindustrie mit Erfolg begegnen zu können. „Hohe Qualität und möglichst geringe Stückkosten zahlen sich aus. Unter diesen Vorzeichen hat man gegenüber den Mitbewerbern einen entscheidenden Vorteil.“